
Goon, Magazin für Gegenwartskultur, 16.01.2008
Thomas Schenk plaudert aus dem Nähkästchen: Alle Leser sind hiermit aufgefordert, nach Zürich zu fahren, um zu sehen, was es mit diesem ominösen Knopf auf sich hat.
Text: Thomas Koch
In Max Goldts »Monolog des morganatischen Maurers« philosophiert eben jener, einer gutbürgerlichen Künstlerdynastie entstammende Bauarbeiter über sich und seinen Beruf, »Stein um Stein zusammenzufügen, zu betrachten wie durch [seiner] Hände formendes Wirken allmählich eine Heimstatt heranwächst, eine Heimstatt für ein junges Glück vielleicht, welches [er] im Stadtpark beim Füttern der Schwäne traf, nur scheinbar zufällig, denn alles ist Fügung…« und wird ob seiner Weltfremdheit von den Kollegen solide gemobbt.
Thomas Schenk hat BWL studiert, arbeitete danach als freier Journalist und ist seit 2003 Straßenbahnfahrer in Zürich. Als solcher veröffentlichte er eine wöchentliche Kolumne im VBZ-Organ 20 Minuten (VBZ steht für Verkehrsbetriebe Zürich), die in diesem sehr schön gestalteten kleinen Buch im ÖPNV-freundlichen Format in 56 zweiseitigen, im Haltestellentakt konsumierbaren Kapiteln zusammengefasst wurde. Untertitelt als »Anleitung zum Vorwärtskommen« beschreibt Schenk darin harmlos-humorvoll das ganze Spektrum des Tramfahrens aus der Perspektive des Fahrers. Neben allerlei, für einen Dienstleister recht duldsamen, Betrachtungen über die Feinde des Menschen im allgemeinen und die des Tramfahrers im speziellen (andere Verkehrsteilnehmer, Fahrgäste, Geräusche, Gerüche, Zeit und Wetter) erklärt er dann auch mehr oder weniger ernsthaft, wie man solch ein kommunales Schienengefährt idealerweise zu besteigen hat. Das mag Leuten vom Land sinnvoll oder betagteren Lesern unterhaltsam erscheinen, über die Länge dieses Büchleins ist die augenzwinkernde Beschreibung des Alltags nur bedingt fesselnd. Immerhin wartet »Im Tram« mit einigen interessanten technischen Details auf. Man erfährt, warum die Endhaltestellen in Zürich nicht mehr Endstation heißen dürfen und von einem geheimnisvollen Knopf im Boden der Tram, der allein schon eine Exkursion nach Zürich wert wäre.
Mit seinen Kollegen hat Thomas Schenk übrigens keine Probleme, gleich zwei Kapitel sind allein den Grußritualen unter Zürcher Straßenbahnfahrern gewidmet.