Thomas Schenk

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Tramatisches

«Viele meinen, ich sei die Betty Bossi der Trambetriebe»

Migros Magazin; 11. Juni 2007

Thomas Schenk (40) ist Tramführer der Verkehrsbetriebe der Stadt Zürich (VBZ) und Journalist. Seine Tram-Kolumnen in «20 Minuten» erscheinen jetzt als Buch «Im Tram» (Limmat Verlag).

Interview Marcel Huwyler

Sie sind Tramführer, Tramkolumnist für «20 Minuten» und geben nun ein Buch mit Ihren besten Texten heraus. Wird darin auch meine brennendste Frage beantwortet: Warum hat das Zürcher Tram ein Lenkrad – wo doch ein Tram auf Schienen fährt?
Das steht im Buch. Ich verrate es Ihnen aber schon jetzt: Das Rad ist nicht zum Lenken, dafür sind Schienen und Weichen, sondern zur Regulierung der Geschwindigkeit. Drehe ich nach rechts, fährt das Tram schneller, nach links langsamer.

Seit 2003 fahren Sie für die Zürcher VBZ. Vorher waren Sie Journalist. Eine völlig andere Schiene!
Ich suchte das totale Kontrastprogramm: Als freier Journalist war ich für alles allein verantwortlich. Als Tramführer ist das meiste vorgegeben: Einsatzpläne, Abfahrtszeiten, Tramlinien. Jetzt habe ich den Kopf frei für anderes.

Was ist denn so toll am Tramführen?
Das Tram ist charmant, klobig und doch gutmütig. Ich bin unterwegs, sehe viel und geniesse das Alleinsein im Führerstand, ohne Telefon, E-Mail und Sitzungen.

Wer nervt einen Tramführer am meisten? Gesetzlose Velofahrer, Autofahrer, lebensmüde Fussgänger?
Am schlimmsten sind die Passagiere, die das Trittbrett blockieren, damit ihr Kollege noch schnell sein Billett am Automaten lösen kann. Um nervöse Autofahrer und Fussgänger bin ich eigentlich noch ganz froh, die machen meine Arbeit spannend.

Was bleibt in einem Tram alles liegen?
Ich hab schon mal einen zusammengerollten Teppich und eineinhalb Kilo Lachs gefunden. Es gibt auch Leute, die ihren Hauskehricht, leere Flaschen und alte Bücher  im Tram entsorgen.

Was ist schlimmer: Die Abgase der Strasse oder der Pizza-Schweiss-Parfum-Bier-Duft der Passagiere?
Die Abgase sind harmlos. Jetzt, wo die Lindenbäume blühen, ist es ein Vergnügen, bei offenem Fenster zu fahren. Bei den Passagieren machen mir die überparfümierten Frauen am meisten Mühe.

Wo rattert das schönste Tram der Welt?
In Lissabon, wo das Tram enorm enge Kurven und steile Hügel hinauffährt. Und alles zünftig holpert.

Worüber werden Sie nächste Woche in Ihrer «20 Minuten»-Tram-Kolumne schreiben?
Dass es den Tramführer Thomas Schenk wirklich gibt. Viele Leser meinen, ich sei ein PR-Konstrukt, so quasi die Betty Bossi der VBZ.           
                                               


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