Thomas Schenk

MEDIEN

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FÜNF FRAGEN AN

Thomas Schenk, Tram-Kolumnist

Tages-Anzeiger; 13. Juni 2007

Von Caspar Schärer

Thomas Schenk war Journalist und fährt seit 2003 Tram. Und fährt der 40-Jährige nicht, dann schreibt er - zum Beispiel übers Tramfahren. Seit 2004 erscheinen Schenks Kolumnen alle zwei Wochen in «20 Minuten», und die besten gibts ab heute auch als Buch.

Worin besteht der Vorteil, Tramführer statt Journalist zu sein?

Die Themen werden sozusagen physisch konkret an mich herangetragen, während ich durch die Stadt fahre. Es gibt so viel zu sehen, es ist wie in einem Film. Die Beobachtung ist das Eine, die Struktur der Arbeitstage das Andere. Das enge Koordinatennetz und der geordnete Ablauf der Tage bedeutete eine radikale Vereinfachung meines Lebens.

Im auf der Schiene fahrenden Tram bewegen Sie sich in einer besonders starren Struktur.

Das stimmt, man bleibt a priori in der Spur. Ich kann nur beschleunigen oder verlangsamen und habe einen sehr eingeschränkten Bewegungsradius. Im Unterschied zu den Bussen stellt sich für uns Tramführer die Frage nach dem Ausweichen also gar nicht erst. Andererseits erfordert der längere Bremsweg mehr Weitblick. Ein Tram zu pilotieren ist deshalb eine gute Mischung zwischen Monotonie und höchster Konzentration, eine Art Meditation.

Fühlen Sie sich freier, seit Sie nicht mehr kreativ sein müssen?

Absolut. Das Fahren beschäftigt mein vegetatives Nervensystem, während im Kopf viel Freiheit und Platz für alle möglichen Gedanken entsteht.

Sie suchen und finden Ihre Ruhe ausgerechnet im Verkehr?

Ja, warum nicht? An guten Tagen lasse ich mich einfach treiben, und ein Stau stört mich nicht sonderlich. Es gibt allerdings auch Tage, da kann ich mich ganz schön aufregen. Ich bin also auch schon ausgestiegen und habe einen unaufmerksamen Autofahrer gebeten, dass er bitte wegfahren solle. Für mich ist es ein Geduldstraining, ich erarbeite mir die Ruhe. Denn sonst bin ich eigentlich kein besonders ruhiger Mensch.

Bereuen Sie Ihren Schritt nie?

Nein. Die langweiligen Pressekonferenzen vermisse ich zu keiner Zeit. Mir ging es darum, Zufriedenheit aus einer überschaubaren Arbeit heraus zu gewinnen. Ich freue mich fast jedes Mal aufs Tramfahren. Und dank der Kolumnen habe ich etwas aus beiden Welten. Ausserdem hat sich durch das Schreiben die Intensität der Arbeit noch gesteigert. Ich bin dadurch aufmerksamer als sonst.

Thomas Schenk, Im Tram - Anleitungen zum Vorwärtskommen; Limmat-Verlag, Zürich. 128 S., 24.50 Fr.; Lesung mit Thomas Schenk in einem Extratram: 26. Juni, 17, 18 und 19 Uhr ab Bellevue.


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