Thomas Schenk

TAGEBUCH 2007

06.12.07 – Traumführer: Eine Frau schreibt mir zur letzten Kolumne über Albträume ein Mail. Als sie «Tramführer» in ihren Computer eintippte, habe dieser das Wort automatisch in «Traumführer» korrigiert. Korrekturprogramme sind wahre Poesiemaschinen. Es ist zu vermuten, dass auf den Programmierabteilungen der Softwarefirmen überall verkappte Literaten sitzen.

03.12.07 – Morgenstrapazen, ein Mann schreibt von den Anstrengungen beim Lesen meiner Kolumnen: «Würde ich das ganze Heft wie Ihren Beitrag lesen, würden mir die "20 Minuten" nie reichen. Verstehen Sie mich recht: der Inhalt der Kolumne will meinerseits verstanden werden! Doch morgens um halb Sieben (das ist die Zeit, in der ich noch nicht ganz wach bin), ist mein Auffassungs-vermögen dermassen eingeschränkt, dass die Aufnahme des Textes nur sehr zögerlich stattfindet.» Ich beginne mir, während ich mir all das vorstelle, Vorwürfe zu machen. Ich meine, man soll doch nicht mutwillig andere Menschen quälen.

26.11.07 – Ein Lokführer schreibt mir: Nicht nur bei den VBZ käme es zu Liebesgeschichten, sondern auch bei den SBB. Denn auch er habe seine Freundin im Zugdepot kennen gelernt. Jetzt würden sie beide mit den Lokomotiven durch die Schweiz fahren, und dabei bekämen sie sich regelmässig zu sehen (wenn auch etwas weniger häufig als die Paare der VBZ). Und das ist kein Einzelfall – der Mann weiss noch von drei weiteren Lokführerpaaren. Offenbar geht von Schienen eine starke Anziehung aus.

07.11.07 - Revolutionäre Tramgeschichten: Ich höre eine Radiosendung zum Anlass der 90. Jahrestages der Oktoberrevolution. Ein Historiker beschreibt die Rolle Lenins beim entscheidenden Aufstand als wenig spektakulär. Erst als die aufständischen Bolschewiki(unter der Führung von Leo Trotzki) die Kontrolle über Petrograd (St. Petersburg) übernahmen, wagte sich Lenin aus seinem Versteck. Und dann ­ jetzt kommt der Clou - fuhr er mit der Strassenbahn zum Smolny, dem Hauptquartier der Bolschewiki und damit Zentrum der Weltrevolution. Was einmal mehr zeigt, dass im Tram Geschichte geschrieben wird.

30.10.07 – Reise in die Vergangenheit: Der Stossverkehr hemmt meine Fahrgeschwindigkeit, und so bin ich auf der Linie 7 bald mit zehn Minuten Rückstand auf den Fahrplan unterwegs. Die runde Zahl auf dem Display bringt mich auf den Gedanken, dass ich in diesem Moment etwas mache, was eigentlich nach allen Gesetzen der Physik unmöglich ist: eine Reise in die Vergangenheit. Denn während mein Tram an den Haltestellen steht und Menschen ein- und aussteigen und während mich die Autofahrer zum Bremsen zwingen, hätte ich ja gemäss Fahrplan bereits vor zehn Minuten an dieser Stelle sein sollen. Die Verspätung macht es möglich, dass ich einen Blick zurück werfen kann. Oder vielleicht ist alles gerade umgekehrt, vielleicht kann ich dank der Verspätung einen Blick in die Zukunft werfen und Menschen zu Gesicht bekommen, die ich bei pünktlicher Fahrt verpasst hätte. Wie auch immer, ich weiss schon lange, dass das Tramfahren ungeahnte Möglichkeiten bietet – aber dieses Mal bin ich wirklich über die Dimensionen erstaunt.
Kleiner Nachtrag zum Rating: Inzwischen ist mein Trambuch auf die Position 66'549 vorgerutscht - was einer Verbesserung um den Faktor 10 entspricht!

25.09.07 – Verkaufsrating: Ich sehe bei Amazon.de das Rating meines Trambuchs nach. Das Resultat fällt eher ernüchternd aus: «Im Tram - Anleitung zum Vorwärtskommen» rangiert auf dem Verkaufsrang 658'565. Vor zwei Wochen habe ich mein Buch zum ersten Mal auf der Seite entdeckt, damals war es noch auf der Position 607'361. Das heisst, es ist um über 50'000 Plätze zurückgefallen. Oder anders ausgedrückt: Im Moment verkaufen sich beim deutschen Internethändler exakt 658'564 Bücher besser als das meine. Ich vermute, ein oder maximal zwei Bücher sind bisher über Amazon verkauft worden. Mit Sicherheit handelt sich dabei um Menschen, die irrtümlich auf der Seite gelandet sind und vor Überraschung auf den Bestellen-Knopf geklickt haben. Ich werde die Sache im Auge behalten.

10.09.07 – Knabenschiessen: Das grosse Zürcher Volksfest, und ich darf mit der Linie 5 bis ganz nahe an das Spektakel fahren, das heisst bis zur Laubegg. Allerdings bin ich nur bis 13 Uhr im Einsatz, und da ist noch kein Betrieb auf der Chilbi. So gegen Mittag rechne ich allerdings mit ersten bewaffneten Fahrgästen (als Nicht-Zürcher ist es mir bis heute ein Rätsel, wie aus der frühen militärischen Abrichtung der Jugend ein Volksfest werden konnte). Doch weder Knaben noch Mädchen fahren mit dem Tram zum Schiessstand. Nicht einmal bei der Station Waffenplatzstrasse (die heute einen besonderen Nachklang hat, wenn ich ins Mikrofon spreche) zeigt sich jemand mit dem Sturmgewehr.

17.08.07 – Herzinfarktrisiko: Ich fahre mit der Linie 2, als gegen 12 Uhr leichter Regen einsetzt. Der Niederschlag hat die Schienen glitschig werden, und das Fahrt wird ruppig. An der Grimselstrasse steigt eine 60jährige Frau energisch aus und spricht laut und anklagend in meine Richtung: Sie müsse sofort aussteigen, so wie ich fahre, kriege sie gleich einen Herzinfarkt. Ich stehe auf, drehe mich zu der Frau um und versuche ihr zu erklären, dass ich momentan zum Anhalten die Schienenbremse benötige und die Fahrt deshalb etwas unsanft sei. Sie lässt sich nicht überzeugen, sie habe noch nie erlebt, dass einer so schlecht fahre wie ich, sagt sie bestimmt. Darauf rufe ich ihr nach, ob sie selbst fahren wolle. Doch meine Worte zeigen keine Wirkung, sie wartet auf das nächste Tram.

02.08.07 – Multifunktionale Rasselglocke: Wir sind ein paar Tage an der Documenta in Kassel, da schreckt uns eine Tramrasselglocke aus der Kunstwelt auf. Weit und breit sind keine Schienen zu sehen, aber der einzigartige metallische Klang lässt keinen Zweifel zu – hier muss irgendwo eine Tramglocke in Betrieb sein. Da sehen wir, wie ein VW-Bus davonfährt und nochmals kurz rasselt. Am nächsten Tag kommen wir wieder, sehen den Bus (L'italinao, ein Glacéverkaufswagen) und können in Ruhe die originalgetreue Tramrassel studieren. Vorne über der Stossstange ist die tellergrosse Metallscheibe montiert, grau und massiv wie bei bei unseren Trams. Anschliessend lasse ich mich von der Verkäuferin aufklären: Die Glocke diene nicht dazu, Fussgänger und Autofahrer zu verscheuchen (so wie wir es in Zürich zu tun pflegen), sondern sie helfe, die Bewohner auf den mobilen Glacéstand aufmerksam zu machen, wenn er im Quartier Halt macht. Ich zweifle nicht daran, dass das System funktioniert: Der Klang ist eindringlich genug, um die Menschen aus ihren Wohnungen zu locken.

 

14.07.07 - Tunnelstarre: Kurz bevor ich mit der Linie 7 in den Schwamendingertunnel fahre, entdecke ich einen Käfer auf der Windschutzscheibe. Der wird sich nicht lange halten können, denke ich, während ich das Tram auf die maximale Geschwindigkeit von 60 km/h beschleunige. Doch der Käfer ist zäh und bleibt auf dem Glas. Allerdings bewegt er sich nicht mehr, fällt mir an der nächsten Haltestelle auf. Selbst die kleinen Fühler machen keinen Wank mehr. Der Luftdruck hat ihn flach gemacht, befürchte ich. Bei der Station Milchbuck, kaum verlassen wird die dunkle Röhre, geschieht das Wunder: Der Käfer lebt, er bewegt sich und fliegt schon bald davon. Offenbar ist das Tier nur in eine temporäre Tunnelstarre gefallen.

13.07.07 – Wahrnehmungsstörungen: In Wollishofen bemüht sich eine ältere Frau Richtung Tram. Noch ist sie recht weit entfernt, doch ich fühle mich entspannt genug, um zu warten und die Türe nochmals zu öffnen. Die Frau bedankt sich freundlich, und da merke ich, dass es Stadträtin Monika Stocker ist. Womöglich und fälschlicherweise denkt sie nun, ich hätte nur deshalb auf sie gewartet, weil ich sie als Vorsteherin des Sozialdepartements erkannte hatte. Wer mehr oder weniger berühmt ist, nimmt die Welt anders war, Wahrnehmungsverschiebungen sind wohl ab einem gewissten Bekanntheitsgrad nicht zu vermeiden. Wenig später verändert sich auch meine Wahrnehmung – die Station Stockerstrasse, die ich ansagen muss, hat jetzt, wo Frau Stocker im Tram sitzt, eine ganz andere Bedeutung bekommen.

28.06.07 - Tramchauffeur: «Ich verdiene mehr als ein Pilot». So lautet die Schlagzeile auf Blick-Online. Das Boulevardblatt wundert sich darüber, dass ein Tramführer der VBZ mehr verdient als ein Co-Pilot der Swiss-Regionalflotte. Konkret beträgt das Einstiegsgehalt bei den VBZ genau 65´444 Franken, das eines Co-Piloten nur 63´000. Leider wird die Frage nicht erörtert, ob nun die Tramführer erstaunlich viel oder die Kurzstreckenpiloten erstaunlich wenig verdienen.

26.06.07 – Lesung im Tram. Erstaunlich viele Leute wagen eine Rundfahrt mit dem Lesetram. Wer weiss, ob sie wirklich meine Tramgeschichten hören möchten oder nicht einfach davon profitieren wollen, einmal ohne Billet Tram fahren zu können. Ein richtiger Redefluss kann sich auf den drei Runden durch Zürich leider nicht entwickeln, ich muss immer wieder kurz unterbrechen, wenn wir mit dem Cobra-Tram über eine Gleiskreuzung holpern. Dafür sind wir zwischen Bellevue, Limmatquai, Hauptbahnhof und Stauffacher schön im Zeitplan, und so fahren wir jeweils genau in jenem Moment durchs Tramdepot, wo ich über meine schönste Umleitung durch eben dieses Depot lese. Auf der zweiten Runde gibt es eine kleine Friktion – ein Auto steht auf den Schienen und versperrt die Ausfahrt aus der grossen Halle. Auf der dritten Runde macht Erwin Künzli vom Limmat Verlag bei seiner Einführung einen originellen Versprecher, er spricht mich als Thomas Mann an – gerade als wir beim Literaturhaus vorbeifahren. Kurz nach 20 Uhr signiere ich das letzte Buch, das Tram fährt ohne Passagiere ins Depot zurück, und ich habe Zeit, mich nach all der Aufregung wieder an das Leben als normaler Tramführer zu gewöhnen.

19.06.07 - Interview auf Radio DRS 1. Freundliche Begrüssung durch die Moderatorin, frisch und aufgeweckt auch die Büroräume, viel warmes Rot, überall Uhren. Zehn Minuten vor der Sendung leere ich prophylaktisch meine Blase, im WC fällt mir ein Telefon auf, das gleich neben der Schüssel hängt - Erreichbarkeit wird gross geschrieben. Kurz vor 10 Uhr gehts ins Studio, dann werden aus Bern die Nachrichten gesendet. Eine Mitteilung über Schulreisen sticht mir ins Ohr, Hunderte von Schulklassen seien unterwegs, wird gesagt. Nicht viel los, kommentiert die Moderatorin die Nachrichtenlage. Ich finde, es passt zum folgenden Gespräch über das Tram. Dann um 10.03 kurzer beschwingter Einstieg in die Sendung, ein Stück Musik, dann geht es los. Der Anfang wird mir leicht gemacht, denn ich darf einen Ausschnitt aus einer Kolumne vorlesen. Tut gut, mich für eine Weile an einen vorgegebenen Text halten zu können. Die Zeit im Studio vergeht noch schneller als im Tram. Kurz nach 11 Uhr stehe ich wieder auf der Strasse – aufgewühlt und irgendwie berührt, dass alles schon vorbei ist und die Radiowellen bereits verhallt sind.

12.06.07 – Die erste Tramfahrt, nachdem mein Trambuch erschienen ist. Bin etwas aufgeregter, obwohl natürlich keiner der Fahrgäste etwas von meinem Buchglück weiss. Ich geniesse es, wie ferngesteuert über die Schienen zu gleiten. Und ziehe den Duft der Linden ein, die jetzt in Vollblüte stehen und die halbe Stadt unter eine Duftglocke der Erregung hüllen.

27.05.07 Dass Tauben gute Flieger sein, ist mir bekannt (vgl. Cool wie die Tauben). Dass Enten nicht ganz so schnell abheben können, habe ich vermutet. Aber was dies in der Realität bedeutet, erfahre ich heute, als ich mit der Linie 9 zur Haltestelle Bürkliplatz fahre. Exakt beim Haltebalken liegt eine tote Ente auf den Schienen. Sie hat es nicht mehr geschafft, vor einem abfahrenden Tram davonzufliegen. Und ich habe Zeit, anatomische Studien zu betreiben. Der Kopf der Ente liegt links der Schienen, der Rest des Vogels rechts davon.

25.05.07 – Mein erster Tramdienst nach sieben Wochen Unfallpause. Die Aufregung, ein solch grosse Fahrzeug mit blossen Händen lenken zu können, legt sich nach einer Stunde. Ich habe den Eindruck etwas defensiver zu fahren als sonst. Ich geniesse die musikalische Untermalung, dank reger Betätigung der Rasselglocke.

30.04.07 - Glücklich wie Ferien: Ich erhalte einen Brief von einer treuen Tram- und Busfahrerin. Vor lauter Rührung über Ihre durchaus poetischen Worte (und nach vorgängiger Rücksprache) gebe ich hier den Inhalt wieder: «Ich lese immer ihre interessante Seite im 20 Minuten, und möchte einmal dafür danke sagen, denn man lernt immer davon. Ich habe ein Jahresabonnment vom Tram schon viele Jahre, und bin fast jeden Tag im Tram, und mache meine eigen Studie sehr interessante. Ein Beispiel: Bus Morgental – Bahnhof Tiefenbrunnen eine Stunde, jeder Kreis andere Leute, nachher Spaziergang am See – Bellevue. Da ich 1917 geboren bin, bin ich sehr froh für’s Tram und glücklich wie Ferien, wenn man nicht mehr so lange laufen kann. Gute Fahrt und alles Gute.»

09.04.07 - Mittlerweile gehört die «Endstation» auf die rote Liste der vom Aussterben bedrohten Wörter. Letzten Herbst hatten die VBZ diesen seit Jahrzehnten gebräuchlichen Begriff aus unserem Vokabular gestrichen (die Schweizer Familie berichtet darüber). Nun haben die SBB nachgezogen, ohne viel Aufhebens. So wurde ich natürlich sofort hellhörig, als heute bei der Einfahrt nach Zürich durch die Lautsprecher schallte «Endbahnhof Zürich, bitte alle aussteigen». Und natürlich musste ich gleich nachfragen, wie das komme. Der Zugführer begann gewissenhaft in seiner Broschüre mit den Standardansagen zu blättern, und las es mir nochmals vor. Und auch beim zweiten Mal klang «Endbahnhof» noch immer komisch, um nicht zu sagen dissonant in meinen Ohren.

24.03.07 – Das Magazin des Tagesanzeigers zitiert aus einem alten Bericht von mir, um den Lesern den Zeitdruck beim Tramfahren vor Augen zu führen. Ich finde es gut, wenn mit meinen Texten Verständnis für unseren Berufsstress geweckt werden kann. Schade nur, dass das Magazin das Zitat in einem ganz anderen Zusammenhang braucht – diesmal geht um eine Gerichtsverhandlung; eine Berufskollegin stand vor Gericht, weil sie spät gebremst und eine Frau angefahren hatte, die an den Hirnverletzungen starb. Damals, als ich die folgenden Sätze schrieb, ging es mir um mein Zeitgefühl und nicht um meine Fahrweise und schon nicht darum zu erklären, weshalb unsereins am liebsten ungebremst durch die Stadt rast: «Meine grösste Herausforderung ist aber der Fahrplan. Diesen gilt es einzuhalten, wofür ein Bordcomputer sorgt, der alle Abweichungen vom vorgegebenen Takt anzeigt. Auf dreissig Sekunden genau. Zeit geht schnell verloren, vor Ampeln, bei grossem Andrang an Haltestellen oder bei Baustellen. Bin ich verspätet unterwegs, fällt meine Pause aus und die Zwischenverpflegung oder der Gang aufs WC. Womit auch die besondere Kunst von Zürichs Tramfahrern erklärt wäre: den Passagieren regelmässig vor der Nase wegzufahren.»

15.03.07 - Aufregender Dienst mit der Linie 7. Wegen einer Kollision muss ich beim Bahnhof Enge vorzeitig wenden, und das bringt meinen WC-Plan durcheinander. Statt in ein paar Minuten in Wollishofen meine Blase entleeren zu können, muss ich bis Stettbach warten. Das dauert eine halbe Stunde, und ich glaube nicht, dass ich das schaffen werde. So entscheide ich mich, unterwegs aufs WC zu gehen, beim Milchbuck hat es eine entsprechende Einrichtung der VBZ. Per Funk teile ich der Leitstelle meinen Plan mit, und sofort legt sich der Druck (ein weiterer Beweis, dass sich alles im Kopf abspielt). Aber ich will auf Nummer sicher gehen. Und die Aufregung ist noch nicht zu Ende. Denn an der Haltestelle Milchbuck finde ich die richtige Türe nicht auf Anhieb, so dass wertvolle Zeit verloren geht, bis ich endlich unsere Toilette finde. Dabei muss ich an die Passagiere denken, die einigermassen ahnungslos im Tram warten. Zwei Minuten dauert mein Manöver, danach fühle ich unheimlich erleichtert.

13.02.07 – Frühdienst auf der Linie 7 nach Stettbach. Um 5 Uhr 15 bereits reger Betrieb, an jeder Haltestelle warten Menschen zum Einsteigen. Vor allem Frauen sind es, die das erste Tram in die Stadt nehmen. Gerne würde ich kurz anhalten und fragen, für welche Arbeit sie sich so früh auf den Weg machen. Ein Deuxpièces oder eine elegante Ledertasche trägt niemand.

26.01.07 - «Walpen kam mit Tram und nahm uns Formel 1 weg» titelt heute der Blick. Der Chef der SRG, Armin Walpen, sei im Tram zur Pressekonferenz getuckert. Dort gab er bekannt, dass die SRG ab 2008 keine Formel-1-Rennen mehr übertrage. Die Blick-Schlagzeile rückt mein Arbeitsgefährt in ein falsches Licht, weshalb ich sie hier korrigieren muss. Der Entscheid der SRG mag für die Anhänger des sogenannten Motorsports bitter sein. Als Tramfahrer störte mich aber die unterschwellige Botschaft, hier die schnellen Rennwagen, dort das langsame Tram. Natürlich können es unsere Fahrzeuge nicht ganz mit der Formel 1 aufnehmen. Aber so gross ist der Unterschied nun auch nicht, finde ich. Und dass ich damit je einmal getuckert bin, daran kann ich mich nicht erinnern.